Gefangen im Kurhotel (Teil II)

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Gefangen im Kurhotel (Teil II)

Was für ein lustiges Wellnesshotel! Die Achterbahnfahrt durch die Erhohlungshölle von Bad Bevensen startete nach den unglaublichen Anreiseerlebnissen (siehe Gefangen im Kurhotel Teil I) am nächsten Morgen schon um 6:50 Uhr.

Fieser Weckdienst

Ein deutlich hörbares klick, tapp tapp, klick, tapp tapp reißt meine Frau und mich aus den Kölnisch Wasser geschwängerten Träumen. Meine Frau guckt mich völlig verschlafen fragend an.
»Erinnerst Du Dich an den Gehwagenfuhrpark im Eingangsbereich?«
»Häh?«, raunzt sie mich an.
»Klick, der Gehwagen. Tapp tapp, die schlurfigen Füße! Kapiert?«
»Häh? Kannst Du um diese Uhrzeit mal in ganzen Sätzen mit mir reden?«
»Die toben jetzt mit ihren Zugmaschinen wie die Blöden zum Frühstück, weil um 7:00 Uhr das Buffet eröffnet wird und niemand der letzte sein will.«
»Sollten wir uns dann nicht lieber auch fertig machen? Vielleicht haben einige von denen ein zweites Paar Zähne dabei und nageln alles weg, bevor wir da sind.«
»Bist Du wahnsinnig? Wenn Du Dich da jetzt in die Menge vor dem noch abgeschlossenen Speisesaal wirfst, kommst Du garantiert unter die nicht vorhandenen Räder. Wenn die Tür geöffnet wird, kannst Du Dir das vorstellen, wie eine Mischung aus Start beim römischen Wagenrennen und Gatteröffnung beim Rodeo. Da willst Du nicht dabei sein!«

Wir beschließen, in Ruhe zu duschen und uns anzuziehen, um dem großen Andrang aufs Buffet zu entgehen.
Unsere erste ‘Anwendung’ bekommen wir um 10:00 Uhr. Genug Zeit, ausgiebig zu frühstücken und sich seelisch auf die Entspannung vorzubereiten.

Lustiges Wellnesshotel mit klaren Regeln

Kurz nach 8:00 Uhr erreichen wir den Speisesaal, der angenehm leer ist. Es ist ein sehr großer Raum, der mit Sicherheit Platz für hundert Gäste bietet. Aktuell sind es mit uns jedoch maximal zwanzig, so dass wir uns einen schönen Platz aussuchen können. Oder?

Meine Frau bemerkt: »Da sind überall Nummern auf den Tischen. Meinst Du, das sind die Zimmernummern?«
»Man wird hier zwangsplatziert?«, frage ich entsetzt.
»Keine Ahnung, ich frag mal die Kellnerin.«

Meine Frau wendet sich an eine junge Dame in typischem Kellneroutfit INKLUSIVE Haube. Ehrlich! Die Tante trug eine von den Häubchen, die sonst nur Leute zum Karneval oder in billigen Pornos tragen.

»Sie sagt, wir sollen uns tatsächlich an den Tisch mit unserer Zimmernummer setzen. Wenn wir ihn nicht finden, hilft uns der Oberkellner.«

Der Oberkellner stolziert ebenso klischeehaft, wie seine Untergebene, durch den Saal. Hände auf dem Rücken, Nase kurz unter der Deckenbeleuchtung und ein strenger Blick über die Geschehnisse. So einen frag ich bestimmt nicht!

Ich entdecke unsere Zimmernummer auf einem Tisch, der so klein ist, dass die Sitzfläche vom Stuhl schon breiter ist. Direkt daneben steht der nächste kleine Tisch. Die Stühle haben sich aufgrund ihrer Nähe schon fast ineinander verkeilt und wie sollte es anders sein? Der Nachbartisch ist besetzt. Zwei ältere Damen zimmern sich gerade eine Ladung zahnfreundlichen Brei rein.

»Ich setze mich nicht zu den alten Tanten. Die warten doch nur darauf, uns ihre Lebensgeschichte zu erzählen.«, flüstere ich meiner Frau zu.
»Und was willst Du jetzt machen?«
»Na, wir setzen uns einfach dahinten an den schönen Tisch am Fenster. Da sitzt doch keiner.«
»Da ist aber nicht eingedeckt.«
»Na und? Dann nehmen wir uns eben die Teller und unsere Tassen von unserem Tisch mit. Und wenn es Dir hilft, stell ich auch das Nummernschild auf.«

Bevor meine Frau antworten kann, gehe ich rüber zu unserem Zwergentisch, schnappe mir unsere Teller, die Tassen und das Besteck und säusele den Damen zu: »Verzeihen Sie, meine Damen. Wir wollen nicht stören.«

Und als ich mich gerade umdrehen und zu unserem Tisch gehen möchte, pampt mich der Oberkellner von hinten an: »Was wird DAS denn, wenn ich fragen darf?«
»Wir würden gern dort drüben am Fenster sitzen.«, müsste aus meiner Sicht als Erklärung ausreichen.
»Das dort drüben ist aber NICHT ihr Tisch. DIESES hier ist ihr Tisch!«, faucht der Pinguin und zeigt auf ‘unseren’ Tisch.
»Aber der dort drüben ist ja frei und wir mögen es nicht ganz so kommunikativ am Morgen.«
»Das ist aber GENAU SO gewollt!«
»Das mag ja sein, aber ich darf doch als Gast auch einen Wunsch äußern, richtig?«
»Dürfen sie. Aber als Oberkellner muss ich ihn ja nicht erfüllen.«
»Stimmt! Und deshalb nehme ich das Geschirr ja selbst mit.«, beende ich die Diskussion und gehe schnurstracks zu dem schönen Tisch am Fenster.

Wir setzen uns und meine Frau meint: »Den brauche ich wohl jetzt nicht mehr nach einem Latte Macchiato fragen, oder?«
»Ich fürchte, wenn Du den Knopf an dem Kaffeeautomaten selbst drückst, hackt er Dir die Hand ab.«

Das Frühstück ist ganz ok. Es gibt frische Brötchen und alles an Obst, Käse und Wurst, was man so braucht. Nur der Zwiebelmettklops schimmert verdächtig wie ein Ölteppich und macht nicht mehr den jüngsten Eindruck. Kein Wunder! Wenn ich mir selbst schon immer den einen oder anderen Mettfaden aus den Zähnen pule, möchte ich nicht wissen, wie aufwendig die Zahnpflege wird, wenn sich diese biestigen Fleischklumpen nicht nur zwischen den Zähnen sondern auch noch zwischen Zähnen und Zahnfleisch festsetzen können. Immerhin ist so eine Ersatzkauleiste ja nicht lückenlos mit dem Kiefer verwurzelt. Ekelig!

Als wir mit dem Essen fertig sind, frage ich mich ernsthaft, ob wir selbst abdecken müssen. Vielleicht bekommt man Mittags keinen Wackelpudding, wenn man seinen Platz nicht aufräumt. Ich riskiere es!

Wir gehen zurück auf unser Zimmer und schmeißen uns erstaunlich gut gelaunt und voller Vorfreude auf das anstehende Wellnessprogramm in unsere Bademäntel. Zum Glück haben wir unsere eigenen dabei. Nein, die hoteleigenen haben keine Blutflecken. Ich finde in der kleinen Tasche in meinem Bademantel lediglich ein Stück sauber abgeknipsten Fußnagel. Mit einer fast schon selbstverständlichen Resignation stecke ich das Fundstück zurück und greife zu meinem eigenen Frotteekleid. Meiner Frau sage ich vorsichtshalber auch nichts, will ich ihr doch den Spaß an ihrer Massage nicht verderben.

Ich muss mich an dieser Stelle zunächst von dem Dienstleistungsschock erholen und schreibe den dritten und letzten Teil dieses Horrortrips ganz bald auf diesem Kanal.

Übrigens: Wenn Euch diese kleine Geschichte gefallen hat, schaut Euch doch mal mein Buch ‘3… 2… 1… und das Leben ist deins!’ an.

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4 Kommentare

  1. Oh Gott!! Was kommt noch?? Spann uns bitte nicht zu lange auf die Folter! Einfach herrlich, deine Geschichten.

    • Danke, Volker! Ich verrate nur so viel: Es wird heiß!!!

  2. Boah, wie gräßlich , aber ich finde es echt toll, wie Du den Tisch in Beschlag genommen hast. Ich wäre schon längst Zuhause gewesen !

    • Warte mal ab, was ich später gemacht habe und aus welchem Grund! :-)

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